Internationaler Rekordversuch im Langzeitlinedance über 24 Stunden

Wir sind ja so stolz!

Seit Wochen und Monaten trainieren Anschi und ich nun mit unseren Tapping Toes auf dieses Wochenende hin und jetzt wars endlich soweit, der INTERNATIONALE REKORDVERSUCH im Langzeitlinedance über 24 Stunden stand unmittelbar bevor.

Ich glaube im Vorfeld bin ich den Hauptorganisatoren Gerhard und Claudia, von den Burning Boots aus Nassereith, ganz schön auf die Nerven gegangen, aber ich wollte alles genau wissen und meine Truppe bis ins Detail auf die Teilnahme vorbereiten. Wir sind zwar alle nur Menschen und jeder kann mal Fehler machen, aber es war mir schon sehr wichtig das an diesem Wochenende alles klappt. Unsere Gruppe genießt ja den Sonderstatus als einziger Deutscher/ Bayerischer Club Mitglied bei den „Tiroler Linedancefreunden“ zu sein und es wäre wohl unverzeihbar gewesen wenn der Rekordversuch an uns gescheitert wäre. Garnicht auszudenken!

An dieser Stelle nun erstmal eine kurze Erklärung wie dieser Rekorversuch ablaufen soll (für alle die nicht dabei waren und keine Ahnung haben worum es eigentlich geht :-))
Also, Ziel war es 24 Stunden non stop mit mindestens 9 Teilnehmern Linedance zu tanzen. Jede Gruppe die mitmachen wollte konnte sich eine Zeiteinheit von 60 Minuten (oder auch mehrere Einheiten ) reservieren. Innerhalb dieser Stunde durfte die Gruppe die Wahl der Tänze selbst bestimmen. Zwischen den Stunden (und auch zwischen den Tänzen) durfte nie länger als 10 Sekunden Pause sein. Wenn also die Tanzliste einer Gruppe dem Ende zuging, versammelte sich schon die nächste Truppe vor der Bühne. Letzter bzw gleichzeitig auch erster Tanz war zu jeder Einheit der „Electric Slide“ ( einer der Grundtänze den jeder Linedancer kennen sollte). Bei diesem Tanz erfolgte immer der Wechsel. Die bereits tanzende Gruppe bewegte sich Richtung Bühnenabgang, während die folgenden Tänzer nach und nach auf die Bühne kamen und mit in den Tanz einstiegen bis alle neuen Tänzer im Takt waren. Dann erst durften die Vorgänger die Bühne verlassen und das Tanzprogramm dieser Gruppe konnte starten. Ich glaube der Wechsel zwischen den Stunden war das heikelste des ganzen Versuchs, aber es hat wirklich immer problemlos funktioniert.

Anschi und ich hatten uns vor Monaten schon das Tanzprogramm ausgedacht und da sowohl von unseren Newcommern als auch von den Fortgeschrittenen das Interesse bestand mitzumachen, entschlossen wir uns innerhalb unserer Marathonstunde noch einen Besetzungswechsel einzubauen. Somit konnten alle teilnehmen, jeder mit den Tänzen im angemessenen Level.

Insgesammt nahmen 19 Gruppen teil, die ich natürlich hier erwähnen möchte. Da waren die Organisatoren „Burning Boots“ aus Nassereith, dann von den Tiroler Linedancefreunden die „Arizona Linedancer“ (von denen Annette und Helmut fleißig bei der Organisation mitgeholfen hatten), „The Sharks“, die „No Name Linedancer“, die „Global Linedancer“, die „Landecker Linedancer“, „SunDance Tarrenz“, „The Missing Links“, die „Burning Limestones“, die „Swinging Hips“, die „Lucky Riders“, mit Unterstützung der „Free Eagles“ und der „Western Tracks“. Aus Vorarlberg waren die „Tumbleweed Country Dancers“ gekommen, aus Niederösterreich die „Most4tel Linedancer“, aus Innsbruck die „Wild Horses“ und aus Deutschland sind die „Jolly Jumpers“ aus Burghausen und die „Jukebox Junkies“ aus Nürnberg angereist.

Unsere Einheit war Sonntag Morgen von 7.00 – 8.00 Uhr. Wir hatten im letzten Training unsere Fahrer und Mitfahrer sowie die Abreisezeiten und die Ankunft in Nassereith besprochen und auch die Zeitumstellung einkalkuliert damit auch ja alle pünktlich da waren. Anschi fuhr schon Samstag Morgen hin, Alex, Rolf und ich trafen gegen 14.00 Uhr ein. Und wir staunten nicht schlecht. Die Burning Boots hatten den Gemeindesaal mit viel Liebe dekoriert, eine Tanzbühne gebaut und einen Saloon mit Bar errichtet. Das Rahmenprogramm war super durchorganisiert, es gab Lasershooting, ein Black Jack Tunier mit Tombola und einen Western- und CountryShop wo man Kleidung, Stiefel und Accessoires kaufen konnte. Eine Leinwand zeigte ununterbrochen Bilder vergangener Linedanceparties und nebenbei sorgten die Veranstalter noch für ausreichend kulinarische Leckereien und genügend kühle Getränke. Sanitäter waren auch vor Ort (aber zum Glück ist kein Notfall eingetreten) und mit bestem Blick auf die Bühne waren während der ganzen Zeit „Zeugen“ von der Feuerwehr, der Bergwacht und der Bürgermeister Reinhold Falbesoner im Wechsel platziert, die das Geschehen mit Adleraugen beobachteten und beglaubigten. Gerhard moderierte das Erieignis, begrüßte, verabschiedete und bedankte sich bei jeder Tanzgruppe und gab immer wieder Zeitangaben übers Mikrofon durch. Zu jedem Wechsel ertönte der Song „Achy Breaky Heart“ und während sich die Tänzer nahtlos mit dem „Electric Slide“ ablösten, begleitete bebendes geklatsche den Vorgang auf der Bühne. Es war eine gigantische Stimmung und ein tolles Erlebnis mit „Gänsehautfeeling“. Jedem war nämlich klar das der Rekord nur gemeinsam und mit gegenseitiger Unterstützung zu bestreiten war. „Gemeinsam statt Einsam!“ spätestens seit diesem Wochenende hat das Motto der TLF für viele eine ganz neue Bedeutung bekommen.

Im Saal war schon eine Menge los, aber nicht nur Tänzer sondern auch Zuschauer waren gekommen und die Stimmung war super. Ich hatte im Vorraus die 24-Stunden-Tanzliste ausgedruckt und mit Neonstift markiert welche Tänze wir beherrschen damit ich auch keine Chance verpasse zu tanzen. 20 Stunden mit 255 Tänzen war das Ergebnis und ich freute mich schon seit Wochen drauf. Alex und ich hatten ihren Campingbus und Schalfsäcke dabei und wir hätten die Möglichkeit gehabt uns schlafen zu legen falls die fehlende Kondition (oder der ein oder andere Schnaps) uns zwischenzeitlich in die Horizontale zwingen sollte.
Anschi und Rolf fuhren gegen Abend wieder zurück nach Mittenwald um noch ein paar Stunden zu Hause zu schlafen.
In den Zwangspausen (also wenn wir die Tänze leider nicht konnten) hatten wir Zeit mit Freunden zu ratschen, viele nette Leute kennenzulernen und besuchten das ein oder andere Mal die Bar. Es wurde viel gelacht und gefeiert und die Zeit verging wie im Flug. Zum Glück hatten wir genügend Klamotten mitgenommen, denn wir kamen ganz schön ins schwitzen und waren froh uns umziehen zu können. Bei der Gelegenheit konnte ich auch gleich die Blasen an meinen Füßen abkleben die sich gebildet hatten. Obwohl ich bequeme Schuhe anhatte, aber bei 20 Stunden tanzen hätte ich wahrscheinlich mit jedem Schuh Probleme bekommen. Ein Indianer kennt keinen Schmerz (ein echter Linedancer natürlich auch nicht!), ich biss die Zähne zusammen, ignorierte die Druckstellen und tanzte fleißig weiter.

Gegen 3.00 Uhr morgens setzte langsam die Müdigkeit ein und wir nutzten die Möglichkeit in der Volksschule duschen zu gehen. Das tat richtig gut und war eine Wohltat vom Kopf bis in die Zehenspitzen. Der kurze Weg zurück, die frische Nachtluft und ein Tässchen Kaffee machten uns wieder munter und wir entschlossen uns doch lieber zu tanzen statt zu schlafen.

Mit fortschreitender Zeit und näherrückendem Morgen schlich sich ganz langsam, aber stetig etwas Nervosität ein. In Gedanken war ich immer wieder beim Rest unserer Gruppe, hoffte das niemand verschläft und ohne Komplikationen alle pünktlich nach Nassereith kommen würden. Und es klappte! Ich war froh als endlich alle angekommen waren. Annette erteilte uns letzte Instruktionen und ich ging nochmal die Aufstellung und den Wechsel durch. Und dann war es also soweit. Die Landecker Linedancer waren schon fast am Schluss ihrer Zeiteinheit und wir begaben uns schonmal zum Aufgang der Bühne. Und dann ging alles ganz schnell. „Achy Breky Heart“ ertönte zum 22sten Mal und nun lag es also an den Tapping Toes den Marathon eine Stunde weiter zu führen. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es keine technischen Probleme, keinen Stromausfall, keinen Systemabsturz, keine Ohnmachtsanfälle, keine Schwächeanfälle und auch sonst keine Anfälle, Unfälle, Ausfälle oder ähnliches. Die Anspannung war mir ins Gesicht geschrieben, lächeln war fast nicht möglich! In dieser Stunde lag es nun also in unserer Macht. Hundert mal geprobt, hundert mal besprochen, hundert mal die Lieder gehört, hundert mal die Einsätze geübt und es lief (bis auf ein paar klitzekleine Schrittfehlerchen) gut. Auch der Wechsel zwischen unseren zwei Gruppen funktionierte einwandfrei. Ich freute mich mehr und mehr mit jedem Tanz den wir erfolgreich hinter uns gebracht hatten. Auf einem Monitor wurden die Tänze angezeigt, auf einem weiteren die noch verbleibende Zeit bis zum Ende der 24 Stunden. Und so schnell wie wir an der Reihe waren, so schnell wars auch schon wieder vorbei. Der letzte Wechsel erfolgte mit den Tiroler Linedancefreunden. Von jedem Club kamen zwei Tänzer auf die Bühne und alle gemeinsam kämpften sich durch die letzte Stunde. Am Ausgang der Bühne hatten die Burning Boots kleine Tabletts mit einem Mineralgetränk, einem Fruchtspieß, Traubenzucker, Schokolade, Nüssen und zum feiern für jeden einen Prosecco bereitgestellt. Sehr aufmerksam und wirklich nett!

Ich hatte garnicht mitbekommen das in der Zwischenzeit der Saal wieder richtig voll geworden ist und registrierte die vielen Zuschauer und Tänzer erst auf dem Weg zu unserem Platz. Jetzt gings dem Ende zu. Alle tanzten mit, die Bühne und die Tanzfläche waren total überfüllt, die Zuschauer drängten mehr und mehr in den Raum und die Spannung stieg. Immer wieder teilte Gerhard die verbleibende Zeit mit. Und dann war es endlich soweit. Alle feuerten die letzten Tänzer auf der Bühne an. Jeder klatschte mit und wir zählten lautstark die Sekunden bis zum Schluss. Jubel dröhnte durch den Saal als endlich die Durchsage kam das wir den Rekord bestanden, alle Regeln eingehalten und vor allem durchgehalten hatten. Aus der Anlage ertönte „We are the Champions“ wo natürlich alle kräftig mitsangen und mitschunkelten und als Überraschung wurde ein übergroßer Cowboystiefel mit Cowboyhut, Feuerwerk und Sternwerfern hereingebracht. Für alle gab es Sekt zum anstoßen und die Stimmung war an ihrem Höhepunkt. Es war einfach großartig!

Gerhard und der Bürgermeister der Gemeinde ehrten jede teilnehmende Gruppe mit einer Urkunde und jeder Glückwunsch wurde mit tosendem Applaus von den restlichen Anwesenden begleitet.

Überglücklich und total am Ende meiner Kräfte war ich so gerührt das ich beinahe in Tränen ausgebrochen wäre. Spätestens als wir uns mit einem kleinen Geschenk von unserer lieben Heike (die durch einen Wohnortwechsel leider unseren Verein verlässt) verabschiedeten konnte ich mich nicht mehr zurückhalten, aber als ich in die Runde blickte ging es nicht nur mir so!

Es war eine tolle Veranstaltung mit super Organisation, netten Leuten und viel Spaß!

Vielen Dank an die Veranstalter und Organisatoren, für eure viele Arbeit und Mühe und


HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH


an alle Teilnehmer! Gemeinsam haben wir es wirklich geschafft!

Beim nächsten Rekordversuch im Langzeitlinedance bin ich auf jeden Fall wieder mit dabei (auch wenn es dann vielleicht 36, 48, 60 oder noch mehr Stunden sein werden) Ich tanze bis zum Umfallen!

Erschöpfte aber glückliche Grüße
Eure Silke